Pilztagebuch - 4. Quartal 2020

Oktober * November * Dezember


11.10.2020 - In einigen Wäldern scheint es nun dank der Witterung etwas abwechslungsreicher zu werden. SYo konnte ich heute endlich mal wieder ein paar Pilze mehr sehen. Neben vielen auffallenden Schwefelköpfen an Baumstubben gab es auch Herbsttrompeten, wenige Exemplare von der nicht so häufigen krausen Kraterelle, Helmlinge, Milchlinge, Borstlinge und den TOP-Fund des Tages machte aber mein Töchterchen. Seit Jahren habe ich danach gesucht und heute konnte ich den violettmilchenden Becherling (Peziza saniosa) nun endlich in natura sehen und ihn anschließend zu Hause mikroskopieren. Vielleicht werde ich unter der Woche noch einmal eine längere Exkursion unternehmen, bevor es am Wochenende in die Ecke um Rehna geht. In den letzten Tagen verlegte ich das Spazierengehen mit dem Hund an die Strandabschnitte mit Steilküste, denn da sind die Chancen, interessante Becherlinge zu finden, sehr hoch. Da war ich wohl etwas zu früh dran in diesem Jahr, denn finden konnte ich nichts.

 

Freitag - 23.10.2020 Endlich mal wieder eine schöne und nicht häufige Art aus der Gattung >>Scutellinia<< gefunden. Während die Becherlinge an den Steilküsten um die Wette wachsen, ist es im Wald weiterhin eher langweilig. Trotz relativer Feuchtigkeit in den Wäldern wachsen nur wenige Arten und selten mal was, was sich lohnt zu fotografieren. Wie dem auch sei, werde ich morgen lieber in den Wald oder in eine Kiesgrube, statt wieder die Steilküste abzusuchen. Mal schauen, was es morgen so zu finden gibt.

 

Freitag, 30.10.2020 - Zu meinem Bedauern habe ich anscheinend den letzten Eintrag vor dem Einpflegen auf dieser Seite versehentlich gelöscht. Wie dem auch sei, Pilze gibt es im Moment an jeder Ecke. Ich war in den letzten zwei Wochen verstärkt und das auch recht erfolgreich an den Steilküsten unterwegs, immer auf der Suche nach kleinen Moosbecherlingen und natürlich auch nach anderen Becherlingen. Für morgen habe ich mir zwar eine längere Tour durch eine Kiesgrube in der Nähe der Landeshauptstadt Schwerin eingeplant, aber im Hinterkopf habe ich noch ein schönes Waldgebiet, welches gerne von mir besucht werden möchte. Das Wetter wird am Ende wohl das Zünglein an der Waage sein.

 

Sonntag, 01.11.2020 - Gestern wie auch heute zeigte sich das Wetter in einem einheitlichen Grau. Da man in den Wäldern durch das herabfallende Laub und den nur bedingten Sichtverhältnissen so gut wie nichts sieht, war ich gestern lieber in einer Kiesgrube unterwegs. Neue Sachen konnte ich nicht finden, aber dafür gab es Massen von wunderschönen orangen Moosschälchen (Neottiella albocincta) auf und neben dem Wirtsmoos Atrichum undulatum. Anschließend durchsuchte ich inselsweise Moose aus der Gattung Polytrichum, um vielleicht auch mal die andere Neottiella vivida mit warzigen Sporen oder eventuell Octospora humosa zu finden. Dem war leider nicht so, aber nach der Suche ist vor der Suche. Heute steuerte ich auf dem Weg zu einer anderen Kiesgrube ein Waldstück mit altem Buchenbestand an. Die Waldwege standen voller Pilze, aber mein Augenmerk lag auf kleinen Pilzen, die aus einem Ei auf der Hutoberseite von alten Nebelkappen wachsen. Es handelt sich um den parasitischen Scheidling (Volvariella surrecta). Wie weiter oben schon erwähnt, waren und sind die Lichtverhältnisse in den Wäldern um diese Jahreszeit meistens suboptimal zum Fotografieren, aber ich denke, als Belegbilder reicht es aus und man erkannt die Pilze auf den Bildern.

 

Sonntag, 08.11.2020 - Heute war ich auf einem Magerrasen unterwegs und anschließend in einer Kiesgrube bei Pinnow, in der Nähe von unserer Landhauptstadt Schwerin. Die Hinfahrt war mega besch***en. Mit zwei Grad plus nicht gerade warm, auf der Autobahn starker Nebel mit knapp 50 Meter Sicht, die Abfahrt bei Schwerin gesperrt (gut 55 Kilometer langer Umweg) und dann auf einer vermeintlichen "Landstraße" boing, Blitzer. Na ja, am Ende habe ich die Kinder und mich heile ins Zielgebiet geführt und es konnte losgehen. Pilze gab es zu meinem Bedauern kaum und ich dachte, super nach so einer nervigen Anreise. Aber dann leuchtete es orange aus dem Moos. Bei dem Moos Polytrichum piliferum, war mein erster Gedanke, endlich auch mal Octospora humosa gefunden. Auf den zweiten Blick sah ich, dass die Becherlinge kurz gestielt waren. Eine Vermutung mit ein wenig Hoffnung hatte ich, dass es eine Neottiella ist, die ich noch nicht gefunden hatte. Zu Hause am Mikroskop anhand der punktierten Sporen wurde schnell klar, dass es sich um das Moosschälchen Neottiella vivida handelt. Damit war es der Höhepunkt der heutigen Tour, eine so hübsche und vor allem eine für mich neue Art. Die anderen gefundenen Moosbecherlinge von heute sind da kaum noch der Rede wert.

 

Sonntag 15.11.2020 - Pilztechnisch gesehen, gibt es nichts Großartiges zu erzählen. Unter der Woche konnte ich nur ein paar Borstlinge (Geopora) sowie wenige Exemplare von weißen Herbst- und schwarzen Gruben-Lorcheln finden. Diese beiden häufigen Vertreter der Gattung Helvella, habe ich nicht weiter beachtet, nur den Sandborstling habe ich für eine genaue Bestimmung mitgenommen. Gestern war ich in einer Kiesgrube und danach in einem anliegenden Fichtenforst unterwegs, in beiden Biotopen war kaum ein frischer Pilz auszumachen. Heute war ich auf einer Kuhweide unterwegs und suchte leider erfolglos nach verschiedenen Becherlingen. Nur ein hübscher Papagein-Saftling veranlasste mich, die Kamera mal aus dem Rucksack zu holen. Mein nächstes Zielgebiet wird ein Magerrasen mit einem anliegenden Kieswerk sein. Die Temperaturen sollen auch erst einmal weiter im Plusbereich bleiben und so wird es hoffentlich eine erfolgreiche Tour werden.

 

06.12.2020 - Dadurch, dass wir an den letzten Wochenenden immer mit dem Hund die Küste entlang gegangen sind, konnte ich immer wieder an den Steilküsten nach Becherlingen schauen. Großartige neue Entdeckungen konnte ich nicht machen, aber dennoch hin und wieder ein paar schöne Funde dokumentieren. Die Küste entlang von Wismar nach Lübeck und von Wismar nach Rostock. Heute war ich an einem Küstenstreifen unterwegs, an dem ich im vergangenen Dezember einen schönen Moosbecherling (Lamprospora carbonicola) nachweisen konnte. Das Besondere damals war, dass ich diese "Brandstellen-Art" nicht auf einer alten Feuerstelle fand, sondern an einem schlammigen Graben, der von der Ostsee auf eine Salzwiese führt. Moosbecherlinge oder Ähnliches konnte ich heute nicht finden, nur kleine verschiedene Becherlinge an Totholz. Im Moment ist es auch zeitlich wirklich schwierig, alles so zu machen, wie ich es gerne hätte. Dadurch das es dunkel ist, wenn ich in der Woche Feierabend habe und ich an den Wochenenden auch nicht immer den ganzen Tag Zeit habe, komme ich kaum noch los, um Pilze zu suchen und wenn, dann wird es bei Minusgraden auch Zunehmens schwerer, etwas Vernünftiges zu finden. Ich habe noch viele Zielgebiete vor mir, die ich dieses Jahr noch abarbeiten möchte. Erst einmal bleiben wir bei den Temperaturen im Plusbereich, sodass ich in diesem Jahr vielleicht noch ein paar schöne Sachen zu entdecken und finden kann.

 

Sonntag, 20.12.2020 - Auch wenn ich hier nichts weiter geschrieben habe, war ich doch in jeder freien Minute unterwegs, immer auf der Suche nach schönen oder seltenen Pilzen. Die Steilküsten von Lübeck bis Rostock habe ich soweit erst einmal abgearbeitet. Am letzten Wochenende war ich in einem Naturschutzgebiet in der Nähe der Ortschaft Warin unterwegs, dort gab es feine Borstlinge (Cheilymenia raripila). Am vergangenen Freitag war ich nach der Arbeit bei Neukloster und konnte schöne Moosbecherlinge (Lamprospora tortula-ruralis) am Wirtsmoos Syntrichia ruralis (Drehzahnmoos) finden. Eine nicht häufig dokumentierte Art und für mich zugleich ein Erstfund von diesem wirklich hübschen Moosbecherling. Diese konnte ich auch in gelb und völlig pigmentlos nachweisen. Gestern war ich noch in einer Kiesgrube, in der ich im letzten Jahr den recht seltenen Moosbecherling Octospora similis finden konnte. Einen konnte ich mit der Lupe sehen und als "Bonus" gab es noch ein paar 1 Millimeter große Lamprospora's am Wirtsmoos Ceratodon purpureus (Hornzahnmoos). Diese Kiesgrube werde ich in spätestens zwei Wochen erneut besuchen und ich bin jetzt schon gespannt, was dann nach dem Mikroskopieren der reifen Fruchtkörper bei herauskommt. In den kommenden Tagen sollen die Temperaturen über null bleiben und ab heute scheint sich eine feuchte Wetterlage einzustellen. Wenn es so kommen sollte, dürfen wir uns in den nächsten Wochen über hoffentlich schön Funde freuen.

 

31.12.2020 - So wie in den letzten Wochen auch, war ich heute wieder unterwegs auf der Suche nach kleinen Pilzen, die an Moosen wachsen. Dieses Mal aber nicht mit dem Hund im Gepäck, sondern wir (Torsten Richter, Chris Engelhardt, mein Töchterlein und meine Wenigkeit) trafen uns zur letzten Pilz-Exkursion des Jahres. Ziel war eine ehemalige Kiesgrube am Naturschutzgebiet Radegast. Wetter war für unsere Zwecke fast ideal, die Dosen wurden mit Becherlingen schnell voll und wir erlebten eine pilzreiche Tour. Torsten Richter wird auch noch ein paar Zeilen zum heutigen Tag verfassen. Diese werde ich dann mit weiteren Funden von heute hier mit einpflegen. Bis dahin verbleibe ich erst einmal mit einem Ahoi aus Wismar, bleibt alle gesund und wir sehen oder lesen voneinander im Jahr 2021 wieder.