Pilztagebuch - 2. Quartal 2020

April * Mai * Juni


 

Samstag, 04.04.2020 - Viel Neues gibt es nicht, es war und ist weiterhin windig. Die begehrten Morcheln lassen immer noch auf sich warten. In den vergangenen Tagen besuchte ich ein paar alte Hotspots und auch einige vielversprechende neue Stellen, aber leider gab nirgends ein Anzeichen von den schmackhaften Frühlingspilzen. Heute besuchte ich noch einen Auwald in der Nähe von Wismar, in dem man immer mit vielen Morchelbecherlingen rechnen kann. Gefunden habe ich zwar welche, aber nicht wirklich viele. Obendrein hatte es den Anschein, dass die Morchelbecherlinge zumindest in diesem Gebiet für dieses Jahr durch sind. Vor wenigen Tagen bekam ich Post aus der Schweiz mit einem Exemplar von der seltenen schwarzen Scheibenlorchel. Da die Sporen noch nicht richtig entwickelt waren, musste die Lorchel noch im Kühlschrank nachreifen. Vorhin habe ich sie in Ruhe mikroskopiert und auch einige Bilder von reifen, freischwimmenden Sporen hinbekommen. Das Wetter soll morgen recht freundlich werden, nur habe ich bis jetzt noch keine Idee, wo ich morgen unterwegs sein werde.

 

05.04.202 - Herrliches Wetter und durch die momentane Lage auch wenig Leute unterwegs, ein Zustand an den ich mich ehrlich gesagt gewöhnen könnte. Wer in einer Touristen-Region wohnt, weiß was ich meine. Na ja, jedenfalls war es heute ein frühlingshaft sonniger Tag, für etwas Ruhe und zum Kraft tanken. Mein Blick war natürlich die meiste Zeit dem Erdboden gewidmet, aber von Morcheln oder anderen Frühlingspilzen war weit und breit nichts zu sehen. Der permanent nervige Wind war natürlich auch heute wieder mit von der Partie und oberflächlich ist es ohnehin schon überall rascheltrocken. Hilfreiche Regenfälle stehen auch für die nächsten Tage nicht auf dem Programm, sodass sich die Lage diesbezüglich weiter zuspitzen wird. Ich befürchte, dass die Frühjahrstrockenheit uns auch im Jahr 2020 begleiten wird. Wollen wir es nicht hoffen und wie immer bleibt uns am Ende sowieso nichts anderes übrig, als es zu nehmen, wie es kommt.

In diesem Sinne bleibt alle gesund und ich verbleibe mit einem Ahoi von der Ostsee.

 

08.04.2020 - Und mit mal ist der Frühling im vollen Gange. Traumhaft schönes Wetter, aber die Pilze lassen weiter auf sich warten. Die zu erwartenden Lorchel-Arten sind in diesem Frühjahr nur sehr spärlich erschienen. In Form von ein bis max. drei Exemplaren, gerade mal die schwarz-weiße Becherlorchel (Helvella leucomelaena) war an ihren Standorten treu und war dort auch zahlreich vertreten. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es in punkto Morcheln dieses Jahr nicht besser aussehen wird. Bis zum heutigen Tag konnte ich noch keine Morchel in diesem Jahr finden. Aus den Gebieten wo die Morcheln schon einige Tage oder in manchen Regionen seit Wochen wachsen, halten sich die Sammelerfolge unterdurchschnittlich in Grenzen. Jetzt über die Osterfeiertage heißt die Devise ohnehin, sich möglichst zu Hause aufzuhalten und keine Ausflüge zu unternehmen. Abgesehen davon, dass ich sowieso arbeiten bin, werde ich auch nach Feierabend nur innerhalb der Stadtgrenze etwas nach den Pilzen schauen.

 

15.04.2020 - Pilze sind Mangelware! Trotz Arbeit bin ich oft unterwegs und frische Pilze habe ich in den letzten Tagen überhaupt nicht mehr gesehen. Stattdessen weiterhin kein Niederschlag und der permanente Ostwind nervt richtig doll und lässt obendrein die Natur noch schneller vertrocknen. Das Thema Morcheln hat sich dieses Jahr wohl schon erledigt, bevor es überhaupt losging. Ob es überhaupt eine Morchel schafft, bei diesen Bedingungen zu wachsen, mag ich fast bezweifeln. Wie dem auch sei, die Tage werde ich weiter meine Augen aufhalten und "meine" Morchelstellen absuchen.

 

19.04.2020 - Es war, es ist und es bleibt weiterhin staubtrocken, begleitet von feinstem Sonnenschein und dauerhaften trocknen Ostwind. Seit Anfang des Jahres ist es bei uns fast ununterbrochen windig, klar wir leben am Wasser und es gehört auch ein bisschen dazu, aber irgendwann nervt's auch. Unterwegs bin ich dennoch ständig und zu meiner Überraschung gab es gestern auch ein paar wunderschöne Morcheln. Streckenweise gab es nichts und inselweise standen sie denn dicht gedrängt. Neben große Exemplaren, die am Seeufer schon luftgetrocknet waren, konnte man unter der dicken Krautschicht, etwas geschützt von Wind und Sonne, auch immer wieder noch kleine Morcheln entdecken. Ob sie sich bei dieser Wetterlage noch strecken werden, sehe ich vielleicht nächste Woche.

 

 25.04.2020 - Heute war ich noch einmal nach den köstlichen Morcheln gucken. Obwohl das ausgewählte Zielgebiet optisch nach einer sehr guten Adresse aussah, konnte ich nicht eine einzige Morchel ausfindig machen. Mittlerweile steht der Raps in voller Blüte und ich denke, dass die Morchelsaison für 2020 bereits vorbei ist, bevor sie überhaupt richtig angefangen hat. Es ist einfach zu trocken, am 10.03. hatten wir den letzten Regen (knapp 9 Liter). Wir befinden uns nun mitten in der siebten Woche ohne Niederschlag und als wenn dies nicht schon reichen würde, verfolgt uns dieser ständig auffrischende und trockene Ostwind. Schauen wir mal, ob uns die kommenden Wochen etwas Regen bringen.

 

26.04.2020 - Heute ging es mit der Familie in das Hellbachtal bei Neubukow. Was soll ich zu diesem Bruchwald großartig schreiben? Durch diesen Auwald mit Schwarzerlen, Eschen, Buchen und Eichen führt ein Wanderpfad mit der typischen Vegetation, die man eben aus einen Erlen-Eschenbruchs kennt. Dort gibt sicher durchaus auch die ein oder andere Morcheln zu finden, aber um es kurz zu machen, es wird mein erster und auch gleichzeitig mein letzter Besuch dort gewesen sein. Entweder man mag einen Wald oder eben nicht und dieses Waldgebiet zählt bei mir persönlich eindeutig in die Kategorie: Wälder, die ich nicht ein zweites Mal besuche. Zwei Bilder seht ihr weiter unten.

 

01.05.2020 - Da ich heute nur alte, von Maden zerfressene Maipilze fand und ich ohnehin die Bilder für die Rubrik Röhrlinge neu sortiert habe, ist oben eine Espen-Rotkappe aus dem Jahr 2019 zu sehen. Die angesagten Regenfälle zogen übers Land, aber Wismar wurde leider nicht so günstig getroffen wie erhofft. Während die Regionen um Hamburg herum bis zu 40 Liter in den letzten zwei Tagen abbekommen haben, muss Wismar sich mit knapp 10 Liter abfinden. Morgen Mittag besteht noch einmal die Chance, dass ein wenig Nass von oben fällt. Egal wie es kommt, in den nächsten Tagen wird schon das eine oder andere wachsen. Ich für meinen Teil habe mir schon Zielgebiete überlegt, wohin es für mich in den nächsten Tagen auf Erkundungstour geht.

 

 04.05.2020 - Zur letzten Morchelsuche des Jahres ging es gestern, gemeinsam mit Frau und Kindern. Am Schweriner See dachten wir, fündig zu werden, aber das Ergebnis war bescheiden. Insgesamt waren es am Ende nur 4 Morcheln an der Zahl und davon eignete sich nur noch eine für ein Bild. Nicht einmal Maipilze waren zu finden. Am Wochenende suchte ich sogar noch in einem Sumpfgebiet bei Wismar, in der Hoffnung wenigstens dort ein paar Becherlinge zu finden. Leider war auch da nichts zu machen. Wenigstens hat es nun etwas geregnet und ab der kommenden Woche, sollte auch wieder etwas mehr zu finden sein.

 

06.05.2020 - Gestern und heute präsentierte sich das Wetter wieder von der sonnigen Seite, in gewohnter Kombination mit nervigem Wind. Erfreulicherweise konnte ich heute kleine Becherlinge, auf einer etwas älteren Brandstelle finden und werde sie heute Abend bzw. spätestens morgen mikroskopieren. Ich denke, es handelt sich um Becherlinge aus der Gattung Tricharina. Lassen wir uns überraschen, ob es Tricharina gilva ist oder vielleicht doch etwas völlig anderes. Jedenfalls ist es kein alltäglicher Fund.

 

08.05.2020 - Der achte Mai ist für die meisten Menschen besser bekannt als Tag der Befreiung, für mich ist es in erster Linie der Tag, an dem mein Bruder Geburtstag hat. Wurde dieser Tag in der ehemaligen DDR noch mit einem Feiertag gewürdigt, ist er heute ein normaler Arbeitstag. Aus diesem Grund verbrachte auch ich den heutigen Tag ganz normal auf Arbeit und nicht im Wald, so wie ich es sonst bei diesem sonnig warmen Frühlingstag getan hätte. Bevor es ab Montag wieder kälter bei uns wird, werde ich den für morgen angekündigten warmen Tag mit den Kindern im Freien verbringen. Viel frische Pilze erwarte ich am Wochenende nicht, denn die einen Sachen wachsen nun nicht mehr und für die anderen Pilzarten ist es noch etwas früh, bzw. ist es für einige Arten noch zu kalt. Mal schauen, irgendwas gibt es ja bekanntlich immer und ich lasse mich überraschen, was es sein wird.

 

Freitag 19.06.202 - Die lange Tagebuchpause schildert genau die Pilzsituation, die wir hier in den letzten Wochen erlebten. Gähnende Leere und frustrierende Langeweile herrschte, jedenfalls was das Thema Pilze betrifft. Die Lage änderte sich etwas, als es vor zwei Wochen die ersten 13 Liter Regen fielen. So konnte ich am letzten Wochenende die ersten fahlen Röhrlinge (Hemileccinum impolitum) und ein paar grüngefelderte (Russula virescens) im sonst leeren Buchenwald entdecken. Danach regnete es in Wismar, wie es sehr selten mal vorkommt. Stolze 63 Liter kamen am 13.06.2020 vom Himmel und heute, fast eine Woche später, regnet es wieder in Wismar. Insgesamt 14,4 Liter sind bis jetzt gefallen und das zusammen mit den Niederschlägen der letzten Woche, ergibt bei mir eine zunehmende Vorfreude auf die kommenden Wochen. Heute Vormittag sah ich schon die ersten Köpfe der beliebten Röhrlinge aus dem Boden gucken, zahlreiche Sommersteinpilze und einige Hexen-Röhrlinge. Ziemlich sicher wird es jetzt täglich besser an der Pilzfront werden und ich freue mich riesig, endlich wieder erfolgreicher unterwegs zu sein, als ich es in den vergangenen 4 Monaten war.

 

Sonntag 21.06.2020 - Wie bereits erwartet, erwacht die Pilzwelt langsam aus ihrem Dornröschenschlaf. Sommersteinpilze und flockenstielige Hexenröhrlinge wollen es scheinbar in diesem Jahr so richtig krachen lassen. Zumindest in den Parkanlagen schieben sie ihre Köpfe durch die Böden, als gäbe es kein Morgen mehr. Während die besagten Arten einen rekordverdächtigen Start hinlegen, lassen andere Arten wie z. B. Täublinge und Pfifferlinge, scheinbar auf sich warten. Unter anderem konnte ich heute seit langem mal wieder einen Becherling aus der Gattung Peziza (P. lividula) finden. Der beste Fund gelang mir aber heute auf einer Brandstelle, winzige Becherlinge, die Größten gerade mal 0,9 mm. Es handelt sich dabei um eine Anthracobia-Art. Da ich den Eindruck hatte, sie sind noch nicht reif, habe ich sie am Fundort gelassen und hole sie mir nächste Woche zum Mikroskopieren. Ab heute scheint auch der Sommer wieder zurück zu sein und weiterer Regen ist erst einmal nicht in Sicht. Wollen wir hoffen, dass die Böden nicht ganz so schnell wieder Abtrocknen und die Pilzwelt in den nächsten Tagen rasch artenreicher wird. Bis dahin verbleibe ich, wie gewohnt mit einem Ahoi von der Waterkant.

 

23.06.2020 - Während die Hexen-Röhrlinge und die Sommer-Steinpilze das Pilzwachstum in den Parkanlagen dominieren, herrscht im Wald immer noch die Pilzarmut. Heute konnte ich immerhin schon die ersten Pfifferlings-Nester ausfindig machen und sogar eine kleine Birkenrotkappe ermitteln. Diese wurde aber leider schon zur Hälfte von einer hungrigen Schnecke verputzt. Die nächsten Tage werden sommerlich heiß werden, mit Sonnenschein von früh bis spät. Nichtsdestotrotz wird es in den kommenden Tagen artenreicher werden, denn noch ist Feuchtigkeit im Boden. Wenn wir Glück haben, bekommen wir am Wochenende wieder etwas Regen, das würde den jetzigen Wachstumsschub noch zusätzlich befeuern.

 

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